Wer das Wiener Stadtbild entlang der Donau betrachtet, stößt unweigerlich auf ein Bauwerk, das sowohl durch seine markante Silhouette als auch durch seine ungewöhnliche Farbgebung auffällt: die Franz von Assisi Kirche. Auch als Kaiserjubiläumskirche oder Mexikokirche bekannt, zählt sie zu den eindrucksvollsten Sakralbauten der österreichischen Hauptstadt und vereint architektonische Besonderheiten mit geschichtlicher Tiefe.

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Ein Blickfang mit Charakter
Die Franz von Assisi Kirche erhebt sich am Mexikoplatz im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt. Ihr Anblick ist geprägt von roten Ziegeldächern, massiven Türmen und harmonisch abgestimmten Fassaden aus hellem Stein. Schon von weitem wirkt das Gotteshaus fast wie eine mittelalterliche Burg und hebt sich deutlich von der sonstigen Wiener Architektur ab. Die Lage direkt am Donauufer und nahe der Reichsbrücke macht die Kirche zu einem markanten Orientierungspunkt und beliebten Fotomotiv.
Entstehung und Geschichte
Der Bau der Franz von Assisi Kirche begann im Jahr 1898 anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. Die Grundsteinlegung war mit großem öffentlichen Interesse verbunden, schließlich sollte hier ein repräsentatives Zeichen kaiserlicher Zeit entstehen. Den Entwurf lieferte Victor Luntz, ein bedeutender Vertreter des Historismus. Seine Pläne sahen eine dreischiffige Basilika mit markantem Vierungsturm und flankierenden Nebentürmen vor.
Die Fertigstellung zog sich bis 1910 hin. Die Kirche wurde dem heiligen Franz von Assisi gewidmet, dessen Namenspatron auch Kaiser Franz Joseph war. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wechselte die Kirche mehrfach ihren Status – von einer Pfarrkirche über die Nutzung als Garnisonskirche bis hin zur heutigen Funktion als römisch-katholische Pfarrkirche und Zentrum für die Gemeinschaft der Lazaristen.
Architektonische Besonderheiten
Die Kirche ist ein Musterbeispiel für die Neoromanik, eine Stilrichtung, die im ausgehenden 19. Jahrhundert in Mitteleuropa beliebt war. Typisch sind die Rundbögen, massiven Mauern und die klare Gliederung der Fassaden. Besonders auffällig ist der 73 Meter hohe Vierungsturm, der gemeinsam mit den beiden 65 Meter hohen Westtürmen das Erscheinungsbild prägt. Die roten Ziegeldächer kontrastieren eindrucksvoll mit dem hellen Naturstein und erzeugen eine fast märchenhafte Wirkung.
Im Inneren überrascht die Kirche mit einer großzügigen Raumaufteilung, hohen Gewölben und einer beeindruckenden Lichtführung. Die Fenster sind mit farbenprächtigen Glasmalereien gestaltet, die Szenen aus dem Leben des heiligen Franz von Assisi und anderer Heiliger zeigen. Der Hochaltar, gestaltet von Ludwig Linzinger, bildet das zentrale Schmuckstück des Chorraums.
Besondere Sehenswürdigkeiten im Inneren
Ein bedeutendes Detail ist die Elisabethkapelle, die sich im rechten Seitenschiff befindet. Sie wurde zu Ehren der Kaiserin Elisabeth („Sisi“) errichtet und zählt zu den herausragenden Jugendstilräumen Wiens. Rund 2,5 Millionen Mosaiksteinchen schmücken die Wände und Decken – ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk, das Besucher in Staunen versetzt. Die Kapelle ist in der Regel außerhalb der Gottesdienste zugänglich und gilt als Geheimtipp für Kunstliebhaber.
Auch die Orgel verdient Beachtung. Das Instrument zählt mit mehr als 3.000 Pfeifen zu den größeren Kirchenorgeln Wiens. Regelmäßig finden hier Konzerte statt, die das hervorragende Klangvolumen des Raumes nutzen.
Kulturelle und historische Bedeutung
Die Franz von Assisi Kirche ist nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen, sondern auch ein Symbol für die wechselvolle Geschichte Wiens im 20. Jahrhundert. Während der Zeit des Nationalsozialismus und später im Zweiten Weltkrieg diente sie als Zufluchtsort und nach dem Krieg als Zentrum für karitative Initiativen. Der Name „Mexikokirche“ erinnert an die Solidarität Mexikos mit Österreich während des „Anschlusses“ 1938 – als einziges Land protestierte Mexiko offiziell gegen die Annexion durch das nationalsozialistische Deutschland. Aus diesem Grund wurde der davorliegende Platz nach dem lateinamerikanischen Land benannt.
Atmosphäre und Charakter
Trotz ihrer Größe vermittelt die Franz von Assisi Kirche eine ruhige, fast intime Atmosphäre. Die Lichtspiele der bunten Glasfenster tauchen das Kirchenschiff in ein sanftes, farbiges Licht. Der hohe, offene Innenraum, die kunstvollen Mosaike und die imposanten Säulen schaffen einen feierlichen Rahmen, ohne erdrückend zu wirken. Besonders an Werktagen ist es im Inneren angenehm still – ideal, um die künstlerischen Details in Ruhe zu erkunden oder einen Moment der Besinnung zu finden.
Für wen lohnt sich ein Besuch?
Die Kirche spricht unterschiedliche Besuchergruppen an. Architekturinteressierte finden hier ein seltenes Beispiel der Neoromanik in Wien. Kunstliebhaber kommen wegen der Elisabethkapelle und der Glasfenster auf ihre Kosten. Auch für Geschichtsinteressierte bietet sich ein Besuch an, denn kaum ein anderes Gotteshaus der Stadt spiegelt so eindrücklich die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche Wiens wider. Familien mit Kindern schätzen die großzügigen Außenanlagen und die Nähe zur Donau, Spaziergänger kombinieren den Besuch gerne mit einem Bummel entlang des Ufers.
Was macht die Franz von Assisi Kirche besonders?
Die Mischung aus historistischer Architektur, kunstvollen Details und ihrer besonderen Rolle in der Geschichte Wiens hebt die Kirche von anderen Sakralbauten ab. Sie ist kein klassischer Touristenmagnet, sondern ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise begegnen – offen für Gläubige, Kunstfreunde und alle, die das außergewöhnliche Flair dieses Bauwerks erleben möchten.
Wichtige Informationen für den Besuch
- Adresse:
Mexikoplatz, 1020 Wien - Öffnungszeiten:
Die Kirche ist in der Regel täglich geöffnet. Die genauen Öffnungszeiten können variieren und sollten vor dem Besuch auf der offiziellen Website oder telefonisch erfragt werden. - Eintritt:
Der Eintritt in die Kirche ist kostenlos. Für spezielle Führungen oder Konzerte können Gebühren anfallen. - Dauer des Besuchs:
Für die Besichtigung der Kirche und der Elisabethkapelle empfiehlt sich ein Zeitrahmen von etwa 45 bis 60 Minuten. - Beste Besuchszeit:
Wer die Kirche in Ruhe besichtigen möchte, wählt am besten die Vormittagsstunden an Werktagen. An Sonn- und Feiertagen finden Gottesdienste statt; zu diesen Zeiten ist mit mehr Besuchern zu rechnen. - Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Die U-Bahn-Linie U1 hält an der Station „Vorgartenstraße“, von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß zum Mexikoplatz. Auch mehrere Bus- und Straßenbahnlinien führen in die Nähe. - Parkmöglichkeiten:
In der Umgebung gibt es öffentliche Parkplätze, allerdings ist das Parken im 2. Bezirk werktags meist gebührenpflichtig und die Plätze sind begrenzt. - Barrierefreiheit:
Der Zugang zur Kirche ist ebenerdig und somit auch für Rollstuhlfahrer möglich. - Toiletten:
Toiletten sind im Kirchengebäude vorhanden. - Gastronomie:
Im direkten Umfeld des Mexikoplatzes befinden sich mehrere Cafés und Restaurants. - Fotografie:
Fotografieren ist im Kirchenraum grundsätzlich gestattet, jedoch sollte auf Rücksichtnahme während Gottesdiensten geachtet werden. In der Elisabethkapelle können gesonderte Regeln gelten. - Kinder und Familien:
Die Kirche ist familienfreundlich; größere Freiflächen am Platz laden zum Verweilen ein. - Hunde/Haustiere:
Tiere sind im Kirchenraum nicht gestattet.
Tipps für den Besuch
- Wer die besondere Stimmung der Kirche erleben möchte, sollte einen Besuch am späten Vormittag oder frühen Nachmittag planen, wenn das Sonnenlicht durch die Glasfenster fällt.
- Die Elisabethkapelle wird nicht immer offen gehalten; für einen sicheren Zugang empfiehlt sich eine vorherige telefonische Anfrage oder die Teilnahme an einer Führung.
- Für Architektur- und Kunstinteressierte lohnt sich die Teilnahme an einer der regelmäßig angebotenen Führungen, bei denen auch weniger zugängliche Bereiche gezeigt werden.
- Konzerte und musikalische Veranstaltungen bieten ein besonderes Erlebnis, da die Akustik der Kirche außergewöhnlich ist. Termine und Tickets werden auf der Website der Pfarre veröffentlicht.
- Die Kirche liegt nahe der Donau – ein Spaziergang entlang des Ufers lässt sich gut mit dem Besuch verbinden.
- Für Familien mit Kindern bietet sich die Kombination mit einem Besuch des nahen Praters oder des Donauparks an.
- Bei schlechtem Wetter ist die Kirche ein angenehmer Zufluchtsort, da der Innenraum großzügig und gut beheizt ist.
- Fotografen sollten auf das Lichtspiel am Nachmittag achten – dann entfalten die Glasfenster ihre volle Wirkung.
- Wer mit dem Auto anreist, sollte die Parkplatzsituation bedenken und gegebenenfalls auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen.


